Multiplen Sklerose 2010 Revision der McDonald-Kriterien

MRT-Aspekte(Zitat aus der Nervenarzt 10/2011)

DIS(DIS, „dissemination in space“):

Die bisher angewandten MRT-Kriterien der örtlichen Dissemination (DIS, „dissemination in space“) nach Barkhof/Tintore wiesen zwar eine hohe Sensitivität (60%) und Spezifität (88%) auf, erforderten jedoch ausreichende Erfahrung in der Beurteilung; die Anwendung der Kriterien beschränkte sich daher oft auf entsprechend spezialisierte Zentren [1, 12]. Basierend auf der Arbeit von Swanton und Kollegen wurde im Rahmen des europäischen multizentrischen Konsortiums MAGNIMS (Magnetic Imaging in MS) 2007 eine Vereinfachung der MRT-Kriterien der örtlichen Dissemination vorgeschlagen [22, 23]. Das Kriterium der örtlichen Dissemination (DIS) ist demnach erfüllt, wenn wenigstens eine T2-Läsion in wenigstens 2 von 4 charakteristischen Regionen (juxtakortikal, periventrikulär, infratentoriell, spinal) nachweisbar ist, wobei symptomatische infratentorielle bzw. spinale Läsionen nicht berücksichtigt werden dürfen. Interessanterweise führt diese Vereinfachung nicht zu einer Reduktion von Sensitivität und Spezifität im Vergleich zu den Originalkriterien [24] (Tab. 1).

Zeitliche Dissemination (DIT):

Voraussetzung hierfür ist demnach der Nachweis einer asymptomatischen kontrastmittelanreichernden Läsion sowie der Ausschluss einer anderen Ursache für das Vorliegen Gd-anreichernder Läsionen. Bei fehlendem Nachweis asymptomatischer Gd-anreichernder Läsionen in der ersten MRT-Untersuchung ist auch weiterhin entweder eine erneute klinische Manifestation oder der bildgebende Nachweis einer neuen T2-Läsion bzw. einer neuen Gd-anreichernden Läsion in einer Follow-up-Bildgebung erforderlich. Diese zweite Bildgebung kann nun zu jedem gewünschten Zeitpunkt durchgeführt werden. Die aktuelle Revision des Kriteriums der zeitlichen Dissemination stellt eine maßgebliche Vereinfachung des diagnostischen Ablaufes mit der Möglichkeit einer noch frühzeitigeren Diagnosestellung und evtl. dem Verzicht auf eine zweite magnetresonanztomographische Bildgebung dar, ohne dass die diagnostische Spezifität hierdurch beeinträchtigt wird

Örtliche Dissemination (DIS)2010:

≥ 1 T2-Läsion in mindestens 2 der 4 Regionen: (Bild a)

– periventrikulär,

– juxtakortikal,

– infratentoriell

– spinal

(symptomatische Hirnstamm-/spinale Läsionen werden nicht mitgezählt)

Zeitliche Dissemination (DIT):(Bild b)

a) Gleichzeitiger Nachweis asymptomatischer Gd-anreichernder und

nichtanreichernder Läsionen in einer Untersuchung

oder

b) Nachweis einer neuen T2-Läsion und/oder Gd-anreichernder Läsion

in einem Follow-up-MRT (unabhängig vom zeitlichen Abstand zwischen den Untersuchungen)

 

 

 

 

Bedeutung der Liquordiagnostik:

Insofern ist die Bedeutung der Liquordiagnostik in der aktuellen Version der McDonald-Kriterien 2010 formal weiter in den Hintergrund gerückt. Für die Diagnosestellung einer Multiplen Sklerose vom schubförmigen Verlaufstyp bei Patienten mit typischer CIS-Präsentation ist sie formal nicht zwingend erforderlich. Es wird jedoch klar betont, dass der Liquordiagnostik nach wie vor eine substanzielle Bedeutung zur Untermauerung einer chronisch-entzündlichen Ätiopathogenese sowie insbesondere im Rahmen der Differenzialdiagnostik zukommt. Wir empfehlen deshalb die Durchführung allein aus diesen Erwägungen. Die Liquordiagnostik behält jedoch in den revidierten McDonald-Kriterien ihre Bedeutung zur Diagnosestellung einer primär chronisch-progredienten MS (PP-MS) bei, wie im folgenden Abschnitt dargestellt.

MS-Diagnose nach den McDonald-Kriterien bei primär chronisch-progredientem Krankheitsverlauf:

1. Klinische Progression über mindestens 1 Jahr (prospektive oder retrospektive Evaluation)

2. PLUS 2 von 3 der folgenden Kriterien:

a) Nachweis der örtlichen Dissemination zerebral durch ≥1 T2-Läsion in mindestens einem der Areale periventrikulär, juxtakortikal oder infratentoriell*

b) Nachweis der örtlichen Dissemination spinal durch ≥2 T2-spinale-Läsionen a

c) Positiver Liquorbefund (Nachweis oligoklonaler Banden in der isoelektrischen Fokussierung und/oder autochthone IgG-Synthese)

a Symptomatische Hirnstamm-/spinale Läsionen zählen nicht.

 

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2 Responses to “Multiplen Sklerose 2010 Revision der McDonald-Kriterien”

  1. Werner Says:

    Der Unterschied zwischen MS und ADEM

    MOG-Antikörper verschwinden bei ADEM-Kindern nach einem Jahr, bei MS weit länger nachweisbar – möglicherweise neuer Prgnosefaktor

  2. Werner Says:

    Eine Forschergruppe der Cecilie-Vogt-Klinik für Molekulare Neurologie an der Charité hat in einer Studie das Vorliegen von Antikörpern gegen Aquaporin 4 mit einer Spezifität von 63 % bei Neuromyelitis optica nachweisen können.

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