Hantavirusinfektion

Hantaviren sind Einzelstrang-RNA-Viren
aus der Familie der Bunyaviridae.
Ihre Übertragung auf den Menschen erfolgt
durch direkten Kontakt mit Faeces,
Urin und Speichel chronisch infizierter,
asymptomatischer Nagetiere, im Speziellen
durch Inhalation kontaminierter
Aerosole. Niedersachsen, Hessen, Bayern
und Baden-Württemberg ebenso
wie die Grenzregion Kärnten/Steiermark
in Österreich gelten im deutschsprachigen
Raum als Endemiegebiete
für den Serotyp Puumala. Dieser ist neben
den Gattungen Dobrava und Saaremaa
Auslöser des Hämorrhagischen Fiebers
mit Renalem Syndrom (HFRS) und
der in Europa vorherrschenden, generell
milderen Variante, der Nephropathia
epidemica.

Eine 33-jährige Frau mit anamnestisch
bekannter, abgelaufener Lungentuberkulose
wurde in der pulmonologischen Ambulanz
vorstellig. Klinisch bot sie Fieber
bis 40° Celsius seit 5 Tagen, Schüttelfrost,
unspezifische Schmerzen am ganzen Körper,
Diarrhö und Übelkeit. Das Labor am
Aufnahmetag zeigte ein deutlich erhöhtes
C-reaktives Protein, eine ausgeprägte
Thrombozytopenie und einen normalen
Kreatininwert. Das initiale Thorax-Röntgen
(●“ Abb. 1a) war mit Ausnahme postspezifischer
Veränderungen im linken
Oberlappen unauffällig.
Nach 2 Tagen ergab das Labor eine
weiterhin deutlich reduzierte Thrombozytenzahl
und reduziertes Serum-
Gesamteiweiß. Der auf 1,96 mg/dl er-

höhte Serum-Kreatininwert und zunehmender
Flankenschmerz veranlassten
eine Ultraschall-Abklärung. Sonografisch
(●“ Abb. 2) fanden sich parenchymverbreiterte
Nieren mit homogener
Echogenitätserhöhung und verwaschener
Rinden-Mark-Grenze wie bei
akuter Nephritis. Das Thorax-Röntgen
zeigte eine im Verlauf deutliche Herzschattenverbreiterung
mit verstärkter
pulmonalvenöser Gefäßzeichnung und
legte die Durchführung einer Echokardiografie
nahe; diese blieb unauffällig.
Auch eine kranielle Magnetresonanztomografie
zur Abklärung anhaltender
starker Kopfschmerzen und des verschwommenen
Sehens ergab keinen
pathologischen Befund. Seit Tagen anhaltende
Durchfälle besserten sich
bald.
Am dritten Tag berichtete die Patientin
über einen Hüttenaufenthalt in den Hohen
Tauern (Österreich) 3 Wochen vor
der stationären Aufnahme. Die Anamneseerweiterung
veranlasste die serologische
Abklärung auf Hantavirus-Infektion.

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